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Theatergeschichte in Arnstadt
Theatralische Aufführungen haben in Arnstadt eine jahrhundertealte Tradition. So lassen sich dramatische Darbietungen bis zum Jahre 1612 zurückverfolgen. Zuerst wurden auf offenem Markt Schauspiele von Schülern aufgeführt, bevor 1734 die Stadt im Rathaus einen Raum für Aufführungen zur Verfügung stellte. Auf Wunsch Graf Anton Günters (1653-1716) entstand in Arnstadt sogar eine eigene Hofkapelle, die allerdings keinen langen Bestand hatte. Von lokalem Interesse ist auch die Entstehung von zwei Arnstädter Musikdramen im Jahre 1705:
die unter dem Namen "Arnstädter Bieroper" bekanntgeworden ist. Kein Geringerer als J. S. Bach gilt als ihr Verfasser. In den folgenden Jahrzehnten gastierten verschiedene Schauspielgesellschaften in der Stadt. Sie spielten vorwiegend auf dem Tuchboden des Rathauses und nach den Umbauarbeiten von 1823 sogar im Rathaussaal. 1839 stellte Fürst Günther Friedrich Karl II. die Fürstliche Reitbahn im Schlossgarten zur Verfügung, doch genügte das Haus bald nicht mehr den künstlerischen Anforderungen. Um das Provisorium zu ändern, schrieb der Regent am 22.05.1842 an die Fürstliche Schwarzburgische Kammer: "damit die Hofschauspielergesellschaft nicht nur in diesem Sommer auf längere Zeit, sondern auch künftig öfters nach Arnstadt zu gehen und dort Vorstellungen zu geben hat. Ich habe deshalb den Befehl erteilt, die dortige Fürstliche Reitbahn zum Theatergebäude einzurichten und veranlasse Sie, die zu diesem Zwecke erforderlichen Bauhölzer anweisen zu lassen." Dieses Rescript ist als Gründungsurkunde des Theaters im Schlossgarten anzusehen, das nun "Fürstliches Hoftheater" hieß. Nach nur zweimonatiger Bauzeit wurde im Juli gleichen Jahres bereits die erste Spielzeit im neuen Theater eröffnet. Doch schon am 10.08.1842 befahl der Fürst einen 2. Erweiterungsanbau, "damit auch im Winter Vorstellungen gegeben werden können." Nachdem anfänglich die fürstliche Hofschauspielergesellschaft im Arnstädter Theater die Aufführungen bestritt, wurde es nach wenigen Jahren aus Kostengründen wandernden Theatergesellschaften zur Verfügung gestellt. Ein ständiger Wechsel der Theaterleitung beeinträchtigte die notwendige Kontinuität der Arbeit und deren künstlerische Qualität. Erst 1879 kehrte mit dem Theaterdirektor Adolph de Nolte, der bis 1903 in Arnstadt blieb, Ruhe und mehr Beständigkeit in das Haus ein. In der 2. Hälfte des Jahres 1903 wurde das Theater mit einem größeren Kostenaufwand umgebaut und danach die Spielzeit auf drei Monate festgesetzt. 64 Künstler und Techniker waren in dieser Zeit fest in Arnstadt engagiert. Im Spielplan waren neben anspruchsvollen Werken ebenso leichte Unterhaltung, wie Lustspiele und Operetten vertreten. Im Rahmen der Veranstaltungen zur 1200-Jahrfeier der Stadt im Jahre 1904 wurde ein Festspiel zur Geschichte Arnstadts aufgeführt, das damals große Resonanz erfuhr, jedoch bald wieder in Vergessenheit geriet. Nach dem I. Weltkrieg ging das Theater in den Besitz der Stadt über und wurde nun in "Schlossgartentheater" umbenannt. Doch schon 1922 drohte wegen finanzieller Probleme der Stadt die Schließung des Hauses. Um dies zu verhindern, gründeten Theaterfreunde eine Theatergemeinde, die durch Werbung und Verhandlungen mit staatlichen und städtischen Behörden den Fortbestand des Theaters erreichte. Doch das Grundproblem, die leeren Kassen, blieb. Mit immer neuen künstlerischen Lösungen versuchte man, es zu lösen. So wurde das "Schlosstheater" zeitweise von Gotha bespielt. 1937 erfolgte der Zusammenschluss mit Rudolstadt zum "Landestheater Rudolstadt-Arnstadt" in Form eines Zweckverbandes. Doch schon 1938 betrieb Arnstadt dann erneut ein "eigenes Theater". In der Endphase des II. Weltkrieges wurden auch die meisten Künstler zum Heeresdienst eingezogen, so dass als Folge das Haus am 01.09.1944 geschlossen werden musste. Das Theater wurde zum Heeresdepot. Nach dem Krieg musste das Gebäude gründlich überholt werden. Ein gemeinsames Ensemble von Arnstadt und Rudolstadt pendelte zwischen den beiden Orten. Nachdem diese Theatergemeinschaft aufgelöst wurde, unterhielt die Stadt Arnstadt das Theater. 1950 wurde das Ensemble wegen finanzieller Schwierigkeiten aufgelöst, und in den folgenden Jahren spielte zunächst das Erfurter, später das Rudolstädter Theater ständig in Arnstadt. Am 01.08.1988 erfolgte zwecks Sanierung die Schließung des Gebäudes auf Beschluss des Rates der Stadt. In den folgenden Jahren wurde es gründlich renoviert, rekonstruiert und ausgebaut. So erhielt der Eingangsbereich einen Anbau. Außerdem kam ein modernes Theatercafè hinzu. 1995 wurde der Theaterverein Arnstadt e.V. gegründet, der nunmehr Betreiber des Theaters ist. Am 01.09.1995 fand im feierlichen Rahmen die Wiedereröffnung des "Theaters im Schlossgarten" statt. |